Das Fundament: ein gesunder Zahnhalteapparat.

Mit dem Gebiss ist es wie mit dem Hausbau: wenn das Fundament bröckelt, dann ist jeder Eingriff langfristig zum Scheitern verurteilt. Eine Gingivitis ist in der Regel durch bakterielle Beläge bedingt und daher vollständig therapierbar. Meist erreicht man eine Gesundung allein durch die Verbesserung der Mundhygiene und die Beseitigung von lokalen Störfaktoren. Bei einer Paradontitis dagegen ist ohne die richtigen Maßnahmen der Zahnausfall geradezu vorprogrammiert.
Für den Erfolg jeder Zahnbehandlung ist die Gesundheit des Zahnhalteapparates von ganz entscheidender Bedeutung. Darum nimmt heute die Paradontalbehandlung in unserem Behandlungskonzept eine ganz wesentliche Stellung ein. Dabei können wir auf eine Reihe von Methoden zurückgreifen, um dieses Problem gezielt behandeln zu können. Diese Methoden haben aber eines gemeinsam: sie lassen sich nicht auf die Schnelle durchziehen, sondern setzen die Geduld und aktive Mitarbeit des Patienten und die Gewissenhaftigkeit des spezialisierten Behandlungsteams voraus.

Die Therapie läuft in der Regel nach einem Stufenplan ab. Um genau planen zu können, welche Zähne behandelt werden sollen, wird eine umfassende Taschentiefenmessung durchgeführt. Daneben werden ein Röntgenstatus aller Zähne und Situationsabdrücke angefertigt. An erster Stelle steht die Beseitigung der Ursachen, durch Mundhygieneaufklärung und evtl. Entfernung von überstehenden Kronenrändern sowie Störkontakten. Darauf folgt die initiale Taschenbehandlung. Je nach Umfang werden in zwei bis vier Sitzungen die unter dem Zahnfleisch gelegenen Wurzelanteile gereinigt und geglättet. Durch Entzündungsrückgang geht nach einigen Wochen die Taschentiefe zurück. Das Zahnfleisch strafft sich wieder. Verlorengegangener Knochen kann so jedoch nicht wiedergewonnen werden. Bei einer fortgeschrittenen Paradontalerkrankung sind möglicherweise zusätzliche chirurgische Eingriffe zur Verbesserung der Situation notwendig.

Eine vollständige Heilung ist aufgrund der chronischen Natur dieser Erkrankung nicht möglich. Daher muss es das Ziel unserer gemeinsamen Bemühungen sein, den Fortschritt der Erkrankung auf Dauer aufzuhalten. Dies ist nur möglich durch regelmäßige Recall-Sitzungen und eine begleitende Therapie. Ein dauerhafter Erfolg ist nur bei entsprechender Mitarbeit des Patienten möglich.

Gingivitis: Entzündung des Zahnfleisches. Gesundes Zahnfleisch ist fest, rosa und weist ein harmonisches Wellenprofil auf. Krankes, entzündetes Zahnfleisch hingegen ist dunkelrot, weich und empfindlich. Es blutet leicht und Mundgeruch hat hier oftmals seine Ursache. Wird die Zahnfleischentzündung nicht rechtzeitig behandelt so geht sie über in die Paradontitis.

Paradontitis: Entzündungen des Zahnhalteapparates, bestehend aus den Zahnwurzeln, dem umgebenden Zahnfleisch samt Fasern und Knochen. Sie ist ausgelöst durch aggressive Bakterien, die sich in den vertieften Zahnfleischtaschen so stark vermehren, dass eine Entzündung entsteht. Häufig tritt die Paradontitis schubweise auf und wird vom Patienten erst sehr spät als bedrohlich wahrgenommen. Zahnlockerungen und Zahnverluste sind die Folge.

Taschentiefenmessung: Zwischen Zahnfleisch und Zähnen bilden sich bei einer Paradontitis vertiefte Taschen. Wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, lässt sich u.a. durch das Messen dieser Taschentiefe bestimmen. Bei gesunden Zähnen betragen diese 2-3 mm. Sind 3 mm überschritten, so kann man sie selbst bei optimaler Mundhygiene nicht mehr sauberhalten. Um einen exakten Befund zu erhalten werden pro Zahn an sechs Stellen die Taschentiefen mit einer stumpfen Sonde ausgelotet. Diese Werte können mit den Messungen bei späteren Kontrollen verglichen werden. Der Behandlungserfolg wird so genau protokolliert.

Taschenbehandlung (geschlossene Kürettage): Relativ schonende, nicht chirurgische Methode der Paradontaltherapie. Dabei werden die Taschen mit einem speziellen Ultraschallgerät oder mittels Handinstrumenten gründlich gesäubert und desinfiziert. Dies geschieht in der Regel unter örtlicher Betäubung.

Recall: Notwendige, regelmäßige Kontrolluntersuchungen, an die wir Sie gerne schriftlich oder telefonisch erinnern. Diese Kontrollen umfassen eine sorgfältige Zahnreinigung, Taschenmessungen, Mundhygienekontrolle und Remotivation.

Paradontitis – schleichende Volkserkrankung ohne Schmerzen

Paradontalerkrankungen zählen in Deutschland zu den meist verbreiteten Volkserkrankungen. 90% der Bevölkerung leiden unter der chronischen Erkrankung des Zahnhalteapparates. Dadurch gehen viermal mehr Zähne verloren, als durch Karies. Das Heimtückische daran: die Krankheit verläuft schleichend und verursacht kaum Schmerzen. So bleibt sie häufig bis zum letzten Stadium unerkannt. Zahnverlust ist die Folge. Andererseits sind Zahnfleischerkrankungen völlig vermeidbar. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, im Sinne einer ganzheitlichen Behandlung, alle unsere Patienten zu motivieren und anzuleiten, sich auf Dauer ein gesundes Gebiss zu erhalten.

Der Stufenplan:

Nicht jeder Patient mit einer Parodontalerkrankung muss alle Stufen durchlaufen. Je schwerer die Erkrankung und je hartnäckiger, desto mehr Stufen müssen durchlaufen werden. Der Erfolg des einzelnen Therapieschrittes entscheidet darüber, ob und in welchem Umfang der nächste Schritt notwendig wird.

1. Stufe: Vorbehandlung

a) Mundhygieneinstruktion, Zahnsteinentfernung, professionelle Zahnreinigung, ggf. Einsatz von Medikamenten gegen akute Entzündungen. Beseitigung von Karies durch Füllungen. Ggf. Abschleifen von Fehlkontakten, um Fehl- und Überlastungen von Zähnen zu vermeiden; in besonderen Fällen Schienung der Zähne.
b) nach 2 Wochen: Mundhygiene-Kontrolle, Remotivation, Zahnsteinentfernung und professionelle Zahnreinigung.
c) nach weiteren 4 Wochen: Taschentiefenmessung, Röntgenuntersuchung, Abformung für die Herstellung von Gipsmodellen Ihrer Zähne, ggf. mikrobieller Sondentest für spezifische Antibiose, funktionelle Therapie mit Aufbißschiene, Planung der Hauptbehandlung.

2. Stufe: Hauptbehandlung

a) Scaling, Wurzelglättung, Kürettage
Unter Lokalanästhesie werden die Zahnfleischtaschen gereinigt, die Oberflächen der Wurzeln geglättet und desinfiziert.
b) Gleichzeitig oder in der Folge sind u.U. chirurgische Behandlungen angezeigt, z.B. zur Reinigung besonders tiefer oder schwer zugänglicher Zahnfleischtaschen, zum Aufbau des Knochens oder aus kosmetischen Gründen zur Ausformung eines natürlichen Zahnfleischprofils. Oft können durch eine richtige Ausformung des Zahnfleischverlaufs viel überzeugendere kosmetische Resultate erzielt werden als durch neue Kronen!

3. Stufe: Nachsorge / Recall

Mundhygienekontrolle, Zahnreinigung, falls nötig Rezidivbehandlung.